Geschichtliches

Als König Ptolemaios den Papyrusexport untersagte, um zu verhindern, dass die Bergama-Bibliothek die Bibliothek in Alexandria überflügelte, wurde in Bergama das Pergament erfunden.
So erklärt Plinius in seinem Werk "Naturalis Historia" die Erfindung des Pergaments. In jener Zeit, also im 2. Jh. v. Chr., herrschte in Bergama der König Eumenes II. (196-157 v. Chr.)

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Der im 6. Jh. lebende Historiker Johannes Lydus schildert in seinem Buch “De Mensibus”, dass Kratos von Mallos in der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr. feinste Häute als Beschreibstoff von Bergama nach Rom brachte, während Aristarchos 167 v. Chr. Papyrus von Alexandria nach Rom brachte.
Wahrscheinlich ist es richtiger, Pergament weniger als plötzliche Erfindung, sondern vielmehr als kontinuierlich sich entwickelnde Technologie zu bezeichnen.
Dennoch stammen die ältesten bekannten Pergament aus dem 3. oder 2. Jh. v. Chr. (nicht jedes beschreibbare Leder ist Pergament!)
Bis ins 4. Jh. n. Chr. taucht das Wort Pergament (pergamena) nicht auf. Im Griechischen verwendet man den Ausdruck "difteria”, im Lateinischen "membrana", was beides Leder bedeutet.
Soweit bekannt, taucht der Begriff Pergament zum ersten Mal 301 n. Chr. in Kaiser Diokletians Liste für Preise und festgesetzte Preise als "Membrana Pergamena" auf. Das bedeutet, dass der Ausdruck in jener Zeit verbreitet war.
Das Wort Pergament ist in allen Sprachen abgeleitet von Membrana Pergamena (Pergamonhaut) und Charta Pergamena (Pergamonpapier). So heißt es etwa im Türkischen parsömen, im Englischen parchment, im Französischen parchemin, im Spanischen pergamino, im Italienischen pergamena, im Niederländischen perkament und im Ungarischen pergamen.
Möglicherweise wurde das Original des Markus-Evangeliums auf Pergament geschrieben.
Der Heilige Paulus bat in seinem zweiten Brief an Timotheus um seine Pergamente, die er in Assos vergessen hatte.

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Bis zum 5. Jh. n. Chr. bestand eine permanente Konkurrenz zwischen Papyrus und Pergament, die sich zugunsten des Pergaments entwickelte. Bedenkt man, dass es außerordentlich haltbar, zum Beschreiben und Bemalen geeignet, überall verfügbar und auf beiden Seiten zu verwenden ist, so verwundet es nicht, dass Pergament Papyrus verdrängte, sondern vielmehr, warum es so lange dauerte. Naheliegend ist, dass es eine Weile dauerte, Pergament durch Weiterentwicklung zu perfektionieren.
Neben den genannten Eigenschaften ebnete Pergament durch die beidseitige Verwendbarkeit den Weg für das Buch, denn es führte zur Entwicklung der Rollen zur heute bekannten Buchform.
Durch die neue Buchform wurden Wörterbücher und Enzyklopädien möglich. Ein Wörterbuch in Form einer Papyrusrolle zu benutzen kommt einem Alptraum gleich.
Im ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 befahl Konstantin der Große, jeweils 25 Kopien der vier Evangelien auf Pergament zu schreiben.
Zu Beginn des 5. Jh. wurden unter der Führung von Eusebios christliche Texte auf Papyrus auf Pergament übertragen. Ziel war, diese Texte "auf ewig" zu konservieren.
Während der Entstehung des Islam war Pergament beinahe der einzige Beschreibstoff. Daher wurden auch die ersten Korane auf Pergament geschrieben.
Eines der schönsten Exemplare, der Koran des Heiligen Osman, ist im Istanbuler Topkapi Palast ausgestellt und verblüfft den Betrachter durch seine Frische.

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Da Pergament aus Tierhaut hergestellt wird, ist es im Vergleich zu Papyrus und Papier ein teures Produkt. Es ist der Beschreibstoff des Mittelalters, als Schreiben und geschriebene Texte selten waren. Auch Pergament war selten und teuer. Die alten Texte auszuradieren und die Pergamente mit den neuen, meist christlichen Texten erneut zu beschreiben, war übliche Praxis. Diese zweiten oder sogar dritten Schriften nennt man Palimpsest.
Im Nahen Osten ersetzte etwa ab dem 9. Jh. Papier allmählich das Pergament, in Europa ab dem 12. Jh. Da Papier weniger haltbar ist, wurden wichtige Dokumente weiterhin auf Pergament verfasst. Der englische Ausdruck parchment bedeutet übrigens auch Diplom.
Der Übergang vom Pergament zum Papier verlief ähnlich langsam wie der Übergang vom Papyrus zum Pergament. Im 15. Jh. erfand Gutenberg den Buchdruck, und das erste, was er druckte, waren 140 Bibeln, davon 35 auf Pergament.
Für eine Gutenberg-Bibel verwendete man ungefähr 300 Ziegenhäute. Für die erwähnten 35 Bibeln benötigte Gutenberg also mehr als 10.000 Häute.
Ab dem 15. Jh. wurde Pergament vornehmlich in der Buchbinderei und der Malerei verwendet. Aufgrund der natürlichen Farbtöne bevorzugten Barockmaler Pergament vor allem für Portraits, so wie Jugenstilkünstler für ihre Akte. Dürers Bilder und Rembrandts Gemälde und vor allem seine Drucke gehören zu den bewunderten Werken auf Pergament.
Das Original der Magna Carta wurde auf Pergament niedergeschrieben.
Auch das Original der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurde auf Pergament geschrieben.
Papier galt als wenig verlässlich, da man es leicht zerreißen und verbrennen kann. Daher wurden wichtige Dokumente weiterhin auf Pergament niedergeschrieben.
Auch heute noch werden Erlasse des britischen Parlaments in zwei Kopien auf Pergament niedergeschrieben.